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Proteste nicht nur im Neumarkter Nationaltheater

veröffentlicht: Dienstag, 10. Februar 2026, 21.00 Uhr
Künstler-Protest landesweit - Theater „Sicã Alexandrescu” in Kronstadt Foto RRTgM
Künstler-Protest landesweit - Theater „Sicã Alexandrescu” in Kronstadt Foto RRTgM

Die Schauspieler und das technische Personal sowie die Bühnenarbeiter haben heute, um 14:30 Uhr vor dem Nationaltheater in Neumarkt/Târgu-Mureș protestiert, ein Protest, den auch der Leiter der Institution, Pál Attila unterstützt.

Auf Empfehlung des Rechnungshofs hat das Kulturministerium Vorschriften zur einheitlichen Organisation und Erfassung der Arbeitszeit für Beschäftigte in öffentlichen Kulturinstitutionen veröffentlicht.

Die neuen Vorschriften verpflichten die Künstler, ihre Arbeitszeit – Proben, Aufführungen – zu erfassen oder unter ihrer Unterschrift „unsichtbare Arbeit” anzugeben, d. h. das Auswendiglernen von Texten oder das Üben zu Hause für ein Konzert im Falle von Musikern.

Der Kulturminister Demeter András erklärte gegenüber Radio Neumarkt/Târgu-Mureș, dass die Anweisungen 30 Tage lang getestet werden, um dann zu entscheiden, ob sie umsetzbar sind oder nicht:

Im Laufe der Jahre wurden mehrere Versuche unternommen. Nachdem der Rechnungshof 2023 eine Aufgabe gestellt hatte, wandte ich mich im vergangenen Herbst an einige Kollegen, die Vorschläge zur Selbstregulierung in diesem Bereich unterbreiteten. Diese Anweisungen wurden weitergeleitet, um in einem 30-tägigen Pilotversuch in den dem Kulturministerium unterstellten Kulturinstitutionen getestet zu werden. Wir werden sehen, welche und wie viele dieser Lösungen Bestand haben, wie viele nuanciert werden müssen, wie viele ersetzt oder geändert werden müssen, aber wir schließen auch nicht die Möglichkeit aus, dass das gesamte Paket verworfen wird und sich als undurchführbar erweist. Erst danach kann die Ausweitung auf andere Einrichtungen im Land erfolgen, vorausgesetzt, dass jeder Mitarbeiter damit einverstanden ist, da dies eine entsprechende Änderung und Anpassung der Stellenbeschreibungen erfordert.”

Der Leiter des Neumarkter Nationaltheaters, Pál Attila, erklärte gegenüber Radio Neumarkt/Târgu-Mureș, dass dieses Gesetz nicht funktionsfähig sei und es nicht normal sei, dass Theater nach denselben Regeln wie die Armee oder die Polizei funktionieren müssten:

Das Gesetz kann aufgrund der aktuellen Gesetzgebung nicht umgesetzt werden. Ich bin überzeugt, dass es in Tg. Mureș, am Nationaltheater, nicht umgesetzt werden wird. Wir sollten nach einer anderen Lösung suchen. Zwischen 2008 und 2010 gab es in den Theatern ein System, das gut funktioniert hat. Es handelt sich um den Regierungsbeschluss 1672, in dem ein Einjahresvertrag für den Arbeitnehmer festgelegt wurde, abhängig von Qualität, Quantität, Erfahrung, also davon, was er in der nächsten Spielzeit leisten würde. Es gab ein Grundgehalt und der Rest wurde danach berechnet, was man leisten würde. Es hat uns bei der Planung geholfen und den Schauspielern Sicherheit gegeben. Und es wurde nicht abgeschafft, sondern das Gesetz ist derzeit ausgesetzt.”

Laut einer Pressemitteilung des Kulturministriums wurde allen Angestellten des Nationaltheaters „I.L. Caragiale” in Bukarest (TNB) das Pilotprogramm durch das Rundschreiben Nr. 766/03.02.2026 bekannt gegeben.

Nun protestierten sowohl die Schauspieler als auch die anderen Mitarbeiter der technischen und Produktionsabteilungen des TNB dagegen, dass dieses Rundschreiben, die nicht normierte kreative Arbeit im künstlerischen Bereich in Büroarbeit umwandelt und Anhänge enthält, durch die sie verpflichtet sind, täglich schriftlich über ihre genaue Tätigkeit während der Arbeitszeit Bericht zu erstatten.

Wir sind der Meinung, dass dieses Projekt die Kreativität in der Kultur zerstört und Künstler zu „Verfassern von Tagesberichten” macht, während der künstlerische Leiter oder Manager zu unserem „Berichterstatter” wird. Die Arbeit eines Künstlers lässt sich nicht auf 8 Stunden/Tag normieren, seine Arbeit findet nicht nur auf der Bühne statt, sondern auch mit sich selbst – sie beginnt in der Morgendämmerung und endet in der Nacht –, 10 Monate im Jahr, 6 Tage die Woche, und 1 Stunde auf der Bühne bedeutet einen emotionalen Aufwand, der schwer zu quantifizieren ist“, sagen die Schauspieler des TNB laut der Pressemitteilung.

Auch in Kronstadt wurde protestiert.

Der Gewerkschaftsleiter des Theaters „Sicã Alexandrescu” in Kronstadt/Brașov, Ovidiu Ion Grãdinar, hält die Normierung von Künstlern für einen Unsinn:

Dieser Versuch, Künstler zu normieren, ist eine Absurdität. Wir arbeiten, wie alle Theater im Land, an Feiertagen sowie samstags und sonntags. Laut Gesetz hat der Arbeitnehmer Anspruch auf 1,7 freie Tage für 1 Arbeitstag am Wochenende und auf 2 freie Tage für einen Arbeitstag an Feiertagen. Wenn wir davon ausgehen, dass wir jedes Wochenende und an Feiertagen arbeiten, und diese Ausgleichsregelung berücksichtigen, dann sind sie im Nachteil. Leider befinden sich die Theater in einer Situation, in der einige Politiker, die keine Ahnung von der Realität vor Ort haben, über unser Schicksal entscheiden.“

Quelle: Agerpres/RRTgM (ro)

Imola Munteanu